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Ratgeber

Workslop: Wenn KI mehr Arbeit macht, statt Zeit zu sparen

Workslop sind KI-generierte Arbeitsergebnisse, die gut aussehen, aber niemand geprüft hat. Der Aufwand landet beim Empfänger. In einer Befragung von rund 1.150 US-Büroangestellten hatten 40 % solche Inhalte im Vormonat erhalten. Fünf Fragen vor dem Senden helfen, das zu vermeiden.

Henrique Lotz, Unfuture · Zuletzt geprüft:

Umschlag, aus dem ein langer Papierstreifen quillt, daneben ein kleiner Zettel

Man erhält eine E-Mail aus der Nachbarabteilung. Sie ist lang und gut formatiert. Doch auch nach zweimaligem Lesen ist immer noch unklar, worum es eigentlich geht.

Also lässt man die E-Mail von einer KI zusammenfassen. Das Ergebnis ist ein einziger Satz.

Von
Nachbarabteilung
Betreff
Update: Strategische Weiterentwicklung unserer Kennzahlenlandschaft

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, im Rahmen unserer fortlaufenden Bemühungen um Transparenz und eine nachhaltige, datengetriebene Zusammenarbeit folgt heute ein umfassender Überblick über die aktuellen Entwicklungen.

Die strategische Bedeutung belastbarer Kennzahlen kann in einem dynamischen Marktumfeld kaum überschätzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, dass alle relevanten Stakeholder frühzeitig eingebunden werden und Synergien zwischen den Bereichen konsequent genutzt werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Gelegenheit nutzen, darauf hinzuweisen, dass die Zusammenführung der Quartalszahlen einen wichtigen Meilenstein darstellt, zu dem jeder Bereich einen wertvollen Beitrag leisten kann.

88 Wörter

Für dieses Phänomen gibt es inzwischen einen Begriff: Slop-Granate. In der Forschung heißt es Workslop.

Darunter versteht man KI-generierte Inhalte, die jemand weitergibt, ohne sie vorher selbst gelesen oder geprüft zu haben.

Der Absender wollte Zeit sparen, doch der „gesparte“ Aufwand landet beim Empfänger.

  1. Absender

    Lässt die KI schreiben

    Liest nicht gegen und schickt weiter.

  2. Empfänger

    Muss es entschlüsseln

    Liest, prüft, fragt nach.

  3. Team

    Verliert Zeit und Vertrauen

    Der Aufwand ist nur verschoben.

Woher der Begriff kommt

Bekannt wurde der Begriff durch Shopify-CEO Tobi Lütke, der in der Folge vom 15.09.2026 des Podcasts The Knowledge Project darüber sprach.

Seine These ist simpel: Faule Arbeit zeigt sich heute nicht mehr durch zu wenig Output, sondern durch zu viel.

Lütke selbst hat den Begriff jedoch nicht erfunden. Auf X schrieb er ihn Harry Brundage zu, Mitgründer von Gadget.

Bemerkenswert ist, dass diese Kritik ausgerechnet von Shopify kommt. Das Unternehmen gilt selbst als Vorreiter beim Einsatz von KI. Bereits 2025 mussten Teams, die zusätzliche Ressourcen wollten, zunächst zeigen, warum KI die Aufgabe nicht übernehmen konnte.

Was Workslop kostet

In einer Befragung von rund 1.150 US-Büroangestellten hatten 40 % im Vormonat Workslop erhalten. Pro Fall nannten sie im Schnitt knapp zwei Stunden Aufwand.

Das zeigt eine Studie von BetterUp Labs mit dem Stanford Social Media Lab aus dem Jahr 2025. Es ging nicht nur um E-Mails, sondern auch um fehlerhafte Berichte und Präsentationen. Die Kosten beschränken sich nicht auf den Zeitaufwand, auch das Vertrauen zwischen Kollegen leidet.

40 %
haben Workslop erhalten
im Monat vor der Befragung.
2 Std.
Aufwand pro Fall
im Schnitt, nach eigenen Angaben.
42 %
vertrauen dem Absender weniger
nachdem sie Workslop erhalten haben.
1 von 3
will seltener mit ihm arbeiten
rund die Hälfte hält ihn für weniger fähig.

Die Ergebnisse beruhen auf einer Online-Befragung und damit auf Selbsteinschätzungen. Was das für das eigene Team bedeuten könnte, zeigt eine einfache Rechnung:

Was Workslop das eigene Team kostet

50

Größe des Teams oder Unternehmens.

50 €

Annahme, bitte den eigenen Wert einsetzen.

24.000 € pro Jahr

40 Stunden Nacharbeit im Monat

Gerechnet mit den Studienwerten: 40 % betroffen, 2 Stunden pro Fall, dazu als Annahme ein Fall pro Monat. Eine Modellrechnung mit US-Umfragewerten, keine Messung im eigenen Unternehmen.

Woran man Workslop erkennt

Das Schwierige ist, dass solche Inhalte auf den ersten Blick oft gut aussehen. Das Problem liegt nicht unbedingt in der Form, sondern darin, dass niemand den Inhalt ausreichend geprüft hat.

  • Mail

    Unnötig lang

    Viele Worte, der Kernpunkt fehlt oder steht versteckt.

  • Analyse

    Ohne Empfehlung

    Ausführlich, aber ohne konkrete Handlungsempfehlung.

  • Bericht

    Ungeprüfte Zahlen

    Zahlen und Quellen, die niemand kontrolliert hat.

  • Präsentation

    Sieht fertig aus

    Gut gegliedert, aber nicht durchdacht.

Fünf Fragen vor dem Senden

KI kann beim Schreiben viel Arbeit abnehmen. Entscheidend ist jedoch, wie wir mit den Ergebnissen umgehen. Bevor ein KI-generierter Text an Kollegen oder Kunden weitergegeben wird, helfen fünf einfache Fragen:

  1. 01

    Habe ich den gesamten Inhalt gelesen?

    Nur wer den Text selbst kennt, kann für ihn einstehen.

  2. 02

    Kann ich jede Aussage vertreten?

    Zahlen und Quellen gehören geprüft, bevor sie weitergehen.

  3. 03

    Steht das Wichtigste am Anfang?

    Der Empfänger sollte nicht suchen müssen, worum es geht.

  4. 04

    Könnte ich es kürzer formulieren?

    Was niemand braucht, kann weg.

  5. 05

    Ist meine eigene Einschätzung enthalten?

    Sie ist das, was keine KI ergänzen kann.

Wenn ein KI-generierter Entwurf zur gemeinsamen Bearbeitung weitergegeben wird, sollte klar erkennbar sein, dass er noch nicht geprüft wurde. Gegenüber Kunden ersetzt dieser Hinweis jedoch keine sorgfältige Prüfung.

Was hilft, wenn man selbst Workslop bekommt

Statt die zusätzliche Arbeit stillschweigend zu übernehmen, hilft oft eine freundliche Rückfrage: „Was ist der Kernpunkt und was wird konkret gebraucht?“

Auch gemeinsame Teamregeln können helfen: Inhalte vor der Weitergabe lesen, die Kernaussage an den Anfang stellen und längere Dokumente mit einer kurzen Zusammenfassung und einer konkreten Empfehlung versehen.

Erst lesen, dann senden

Slop-Granaten sind kein Argument gegen den Einsatz von KI. Im Gegenteil: KI kann dabei helfen, Informationen zu strukturieren, Entwürfe zu erstellen und komplexe Inhalte verständlicher zu machen.

Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt jedoch beim Menschen. Dazu gehört, Aussagen zu prüfen, Texte zu kürzen und zu entscheiden, welche Informationen tatsächlich weitergegeben werden müssen.

Viel Text ist billig geworden. Wertvoll bleibt ein Text, hinter dem jemand steht.

Häufige Fragen

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